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Hier sind Rezensionen über die auf dieser Website vorgestellten Hörspiele zu lesen. Wenn Sie die Hörspiele erworben haben und Ihre Meinung in Form einer Rezension ausdrücken möchten schreiben Sie mir. Ich stelle sie dann  hier ein.



Nunmehr habe ich das Hörspiel Satan und Ischariot III (nachfolgend mit SuI 3 abgekürzt) zweimal vollständig gehört und möchte meine ersten ganz persönlichen Eindrücke kundtun:

Grundsätzlich gefällt es mir besser als Teil 2, nicht aber besser als Teil 1.

 
Dies liegt maßgeblich darin begründet, dass mir unverändert Joshy Peters als Old Shatterhand fehlt. Konrad Halver als Winnetou weckte bei mir soooo viele schöne Kindheitserinnerungen bei seinem Comeback in Teil 1, das mir Ben Bremer (leider) als Winnetou nicht genügt.

Weiterhin ist mir aus den Produktionen WEIHNACHT und SuI 1 die Musik von Andreas Schumann unverzichtbar geworden. Die Musik in SuI 3 ist zwar nicht unpassend, drängt sich aber auch nicht auf. Stimmungen und Gefühle werden für meinen Geschmack zu wenig begleitet. Die Szenen zu untermalen und zu verknüpfen gelang mit den Schumann-Kompositionen einfach besser. Schön ist jedoch die von indianischen Rhythmen getragene Schlussmelodie, wenn Wulf Mey über die Gemeinheit der Welt philosophiert...davon hätte ich mir irgendwie mehr gewünscht.

Das Textbuch: ich habe es bei passender Gelegenheit Meike Anders auch schon einmal gesagt: für meinen Geschmack zu viel Erzählerpassagen. Ein Beispiel:

Winnetou und Old Shatterhand treffen auf Häuptling Schneller Pfeil. Dieser darf im Dialog die Blutsbrüder begrüßen und seiner Freude Ausdruck geben. Doch schon übernimmt der Ich-Erzähler:

" Er (der Häuptling) erzählte uns, das die Mogolon beim Stehlen von Nijora-Pferden mehrere seiner Krieger getötet hätten. Deswegen war er auf Kundschaft um deren Pläne zu erfahren." Warum lässt man das den Häuptling nicht selber erzählen!? Die alten Hörspiele von Joseph Offenbach kamen ganz ohne Sprecher aus...und trotzdem verstand jeder die Zusammenhänge. Ich weiss einen guten Erzähler durchaus zu schätzen aber ich finde es schade, wenn dies so deutlich zu Lasten der Action und der Dialoge geht. Muss der Ich-Erzähler unbedingt erzählen, wie eng er die Hände an den Körper anlegt um sich dann im freien Fall durch die Bodenöffnung zu stürzen. "Winnetou! Achtung! Ich springe jetzt hinab!" - so könnte man es doch lösen!?

Insbesondere in der zweiten Hälfte von CD 2 kommt richtig Tempo auf, furiose Verfolgungsszenen, grosse Kampfszenen, Reiterattacken, Ausbruch mitsamt Postkutsche, wirklich gut inszeniert.


Die Sprecher: Beginnen wir mit den Helden, allen voran Old Shatterhand.

Also ich weiss nicht was da passiert ist - die klingen viel lockerer und befreiter! Insbesondere der von mir sehr geschätzte Wulf Mey bringt den Old Shatterhand jetzt eigentlich so wie ich ihn bereits in Teil 2 erwartet hatte (Sorry, er wird sich nie an Heinz Trixner und Joshy Peters für meine Ohren vorbeiarbeiten können). Gerade als Erzähler klingt er nicht mehr so steif und hölzern, sondern lässt Emotion mitschwingen, Ironie und Sarkasmus dringen deutlich hervor. Thanks, Wulf Mey, da macht mir das Zuhören wieder Spaß! In den Actionsequenzen überzeugt er mich ebenfalls. Echte Sorge schwingt in seiner Stimme, wenn er sich nach Winnetous Schicksal erkundigt. Gut so! Und die Verachtung, wenn er Thomas Melton die Abrechnung serviert! Wieder ein Genuss!

Ben Bremer - gleiches Phänomen. Lässt seine Stimme längst nicht in den brummigen Tiefen gefüllt mit Pathos schwingen. Klingt natürlicher - und damit auch besser. Eine wesentlich bessere Interpretation. Aber auch hier gilt: ein Halver, ein Hilgers, ein Birkholz...die bringen/brachten mir persönlich irgendwie mehr in die Rolle ein.

Jürgen Mai: Der war von Anfang an im zweiten Teil bereits ein Gewinn! Und als Emery Bothwell brilliert er auch im dritten Teil! Von ihm wünsche ich mir noch weitere Auftritte in Karl May Hörspielen! Egal ob als Schurke oder Held!

Frank Wieczorek: Sein Einsatz als Krüger Bei im zweiten Teil war sehr unglücklich. Stimmlich mochte der informierte Leser sich den Krüger Bei bestimmt anders, vor allem älter, vorgestellt haben. Als Scout Will Dunker aber darf er wieder ganz er selber sein. Mir gefällt die Passage mit ihm sehr gut. Zum Schmunzeln, wenn er mit dem Wort ADVOKAT ringt, spannend, wenn er wie weiland Old Wabble mit Old Shatterhand unter Schilfinseln verborgen den Fluss durchschwimmt.

Nun die Schurken: Die Meltons...was für eine Familie...

Peer Augustinski - leider hat er nach seinen gescheiterten Vorhaben rund um Almaden Alto nicht mehr viel zu tun...darf aber sehr effektvoll sterben, nachdem ihm sein Bruder Marco Buttler Melton hinterrücks gemeuchelt hat. Peer Augustinski hat für mich eine der herausragendsten Stimmen in ganz Deutschland. Und so kurz sein Auftritte in SuI 3 auch sein mögen...sie sind grossartig. 

Marco Kröger - also ganz egal was für einen Eindruck unsere Forendiskussion hinterlassen haben mag - ich bin ein Fan dieses Darstellers und Sprechers! Mir gefiel die Idee in Teil 2 schon gut, den Erzählerpart mal unter Gut und Böse aufzuteilen. Wenn Thomas Melton zu Beginn des dritten Teils seine Erinnerungen (und damit den Inhalt von Teil 1 und 2) rekapituliert, dann merkt man, dass dieser Melton ganz heftig zwischen Genie und Wahnsinn hin und her geistert. Great! Ein Hörspielschurke zum Hassen -keine Gnade für die Meltons!

Tilman Madaus - das jüngste Mitglied der Melton-Familie. Steht in der Familien - und Sprecherhierarchie etwas hinten an. Setzt aber die widerwärtigen Aktivitäten seiner Familie konsequent fort. Seine Hasstirade nach dem Selbstmord des Vaters ist sehr gelungen und stellt wohl den persönlichen Höhepunkt in seiner Rolle dar. Ansonsten eindeutig der hysterischste der drei Meltons. Hat Herr Madaus schon mehr im Hörspielsektor gemacht!? Irgendwie kommt mir seine Stimme so bekannt vor...hatte aber noch keine Zeit für weitere Recherchen.

Michelle Connah- darf ihre Rolle als Judith sehr viel ausführlicher gestalten als ihre Vorgängerinnen...oder wirkt das nur so!? Klingt zwar nicht wie die 17 jährige aus der Buchvorlage (aber die Bühnen-Judith entspricht dem ja auch nicht), spielt aber überzeugend die Schlampe, die um ihren eigenen Vorteil bedacht so ziemlich jede Schandtat begeht. Ergänzt die Familie Melton hervorragend! Klasse, wie sie hysterisch und habgierig Jonathan Melton an die Kehle geht!

Die übrigen Rollen:

Die Geschwister Vogel (Wilden, Nina/Möller, Kai Hendrik), sie Sängerin, er Geigenvirtuose. Zufällig trifft Old Shatterhand auf beide während seines Aufenthalts in Albuquerque (wer kann’s fehlerfrei aussprechen!?) und beschliesst ein Konzert der beiden zu besuchen. Abgesehen davon, das ich doch meine, das er dieses ohne Winnetou besucht, weiss ich auch nicht, ob in der Buchvorlage ebenfalls das altbekannte Lied "Es stand ein Soldat am Wolgastrand" gesungen wurde. Ob der Song tatsächlich die mexikanisch/texikanischen Besucher im Saloon zu den Begeisterungsstürmen hingerissen hätte!? Aber sie singt es! Ehrlich! Und das für meinen Geschmack vieeel zu ausgedehnt. Nina Wilden spricht ihre Rolle mit Gefühl und Leidenschaft (baggert sie im Buch den Old Shatterhand eigentlich auch so offensichtlich an?). Kai Hendrik Möller...na ja...so furchtbar viel beizutragen hat er nicht...als tollpatschiger Begleiter ist es eher seine Aufgabe, sich gefangen nehmen und austricksen zu lassen. Aber er klingt glaubwürdig dabei.

Anderson Farah – spricht wieder einen Häuptling...vergeht dabei fast in Glücksgefühlen, endlich Winnetou und Old Shatterhand begegnen zu dürfen. Wie auch auf der Bühne, so fällt auch hier seine stark akzentuierte Sprache auf...und damit klingt er eben mehr nach Mexikaner denn als Indianer (wie wir ihn uns vielleicht vorstellen). Doch obacht! Die meisten Indianer im amerikanischen Südwesten sprachen eher spanisch als englisch...somit ist der „Slang“ ja eigentlich gar nicht verkehrt. SO hätte vermutlich ein Krieger der südlichen Stämme geklungen, WENN er deutsch hätte sprechen müssen!

Fazit: Ein inhaltlich mit Blick auf die wie ich finde deutlich besseren Sprecherleistungen versöhnlicher Abschluss der Hörspieltrilogie. Insbesondere CD 2 hat mich überzeugt. Ich bereue die Investition auf gar keinen Fall.
  

Rezension von Andreas Hardt - 28.07.2005



                                                Hörspielrezension
                                          "Satan und Ischariot III"

 
                              Es steht ein Soldat am Wolgastrand.
                                   Hält Wache für sein Vaterland.
            Wenn ein Mensch verlassen ist, und er klagt, und er fragt:
                         "Hast du dort oben vergessen auch mich?
                          Es sehnt auch mein Herz nach Liebe sich.
                             Du hast im Himmel viel Engel bei dir -
                            Schick doch einen davon auch zu mir."

Das Hörspiel "Satan und Ischariot III" ist ein lebendiges Zusammenspiel guter und teilweise sehr bekannter Stimmen, einer farbigen Geschichte ganz im Stile Karl May´s und dem gekonnten Einsatz von Effekten und Musik.

Der Erzähler Thomas Melton führt die Hörer in eine gefährliche Reise durch die Jagdgründe der Nijoras und der Mogolon, auch Arizona genannt. Es ist eine Reise voller Intrigen, es geht um Geld und die Protagonisten reichen breit gefächert vom Helden bis zum hinterlistigen Bösewicht. Geradeso, wie man es erwartet - und eben auch wieder nicht; es beinhaltet bis ins fast kleinste Detail, was eine Geschichte braucht, die gehört werden will: Überraschungen, Romantik, Brutalität und die Atmosphäre eines wilden Landes mit unbezähmbaren Menschen.

Wer allerdings in den Erzählungen Karl May´s nicht bewandert ist, wer sich vielleicht sogar in der misslichen Lage befindet, mit dem Hörspiel "Satan und Ischariot III" seinen ersten Kontakt zu jenem berühmt berüchtigten Westernautor zu knüpfen, dem wird zu Anfang Hören und Sehen vergehen - er wird sich verlaufen in einem Gewirr aus Namen, in die hin und wieder ein Schuss knallt, und er wird verzweifelt versuchen, in irgendeinem der unzähligen Handlungsstränge eine Orientierung zu finden.

Zum Schutze des Autors und des Erzähler muss an dieser Stelle allerdings unbedingt bemerkt werden: das, was hier gewollt ist, ist nicht einfach umzusetzen: Der Erzähler ist nicht allein Erzähler in diesem Falle, sondern er ist ständig in die Dialoge der Protagonisten verwickelt. Das ist, wenn man so etwas liest, eine gute Möglichkeit der Erzählweise. Hier aber wurde nicht bedacht: Der Hörer braucht mehr Zeit, um das, was er hört, zu verstehen. Er braucht klare Wechsel und muss wissen, wer mit wem spricht und über was. Leider fehlt hier eine wirklich solide Einführung der Protagonisten in die Geschichte und es wird erst nach ca. 20Minuten möglich, sich voll und ganz dem Hörerlebnis hinzugeben und die Bilder vollends vor sich entstehen zu lassen.

Dann jedoch sind die Orientierungsminuten vorbei, man hat sich eingehört und das, was man von einem Hörspiel erwartet, stellt sich unverwechselbar gut und herrlich ein:

Durch ein irre gutes und enges Zusammenspiel der Sprecher ist plötzlich jene Atmosphäre da, die unweigerlich in eine andere Welt entführt. Jene Atmosphäre, die den Hörer gebannt vor dem CD - Spieler sitzen lässt, offenen Mundes und mit riesigen Ohren, weil er zittert um das Leben seiner Helden und den Schurken den Tod wünscht.

Das oben zitierte Lied der Sängerin Martha Vogel passt gut in die Gesamtakustik; vor allem durch das sehr bildliche Arrangement Sängerin - Geiger.

Allerdings ist es für meine Ohren zu gefühllos - mir fehlt in diesem Falle "River of no Return - Fluss ohne Wiederkehr". Ein wenig mehr Marilyn Monroe, wie sie in der Spelunke sitzt und all die Männer begeistert durch dieses kleine und so großartige Lied, täte auch hier sehr gut!

Dritte und letzte Kritik: Die Charaktere sind zumeist sehr gut getroffen und erstklassig gespielt. Aber eines fehlt: ihre Herkunft! Die Jüdin ist nicht jüdisch, die Indianer sind zu weiß und die Weißen zu normal. Ich bin der Meinung, dass man mehr davon hätte, wenn man spüren könnte - durch eine verlangsamte, pedantische, aufbrausende, kleinliche oder besonders musische Färbung in den Stimmen -, warum dieser oder jener bestimmte Beweggründe hat, dieses oder jenes zu tun. Sicherlich kommt dies durch den Text deutlich hervor - aber nicht genug über das Spiel und das ist schade.

Im Großen, Ganzen und sehr Positiven ist es ein Hörspiel, das sich, kauft man es, bezahlt macht - denn sicherlich wird es nicht beim einmaligen Hören bleiben und man wird lange davon zehren!

Freuen wir uns auf das, was von Papillon in Zukunft noch produziert werden wird: Ich bin überzeugt davon, dass der Hörspielmarkt mit Petra Wulff eine konsequente, begeisterungs- und kritikfähige, und vor allem liebenswerte Produzentin gewonnen hat, die schon jetzt von einem hochkarätigen Team begleitet wird.


Rezension von Annabelle Krieg - 21.06.2006
 
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